Hier erfahren Sie mehr über die Vorträge der diesjährigen Veranstaltung.

Freitag, 07.04.2017

Intubation und Kanülen (Markus Hess)

In diesem praktischen Workshop wird das Gewicht auf die Demonstration von Kanülen, Intubationsschläuchen sowie Handhabung dieser technischen Hilfsmittel gelegt. Die Teilnehmer sollen die Bandbreite und Vielfältigkeit der Kanülen kennen lernen, insbesondere auch Aspekte des Blockens, der Siebe, der Sprechklappen, Einführung in das Tracheostoma und schließlich Vorschläge für die Reinigung. – Die Intubation wird ebenfalls anhand an verschiedenen Intubationsschläuchen demonstriert sowie besondere Aspekte bei Operationen an den Stimmlippen anhand von Bildmaterial und Videos erläutert. Weitere Aspekte der Atemwege und Beatmung sollen im Austausch zwschen Teilnehmern und Dozenten diskutiert werden. Eine rege, aktive Teilnahme wird sehr begrüßt.

LaxVox voice therapy technique: Bridging the gap between theory and practice (İlter Denizoğlu)

LaxVox Voice Therapy Technique (LVVT) is a direct technique which directly changes vocal mechanism. It is a holistic approach combining phonation, resonance and breathing in voice therapy. Various devices (LaxVox Tube, doctorVOX, pocketVOX) provide multichannel biofeedback and enhance treatment adherence in LVVT applications. Artificial elongation and backpressure (continuous and alternative) are the main physical factors which affect the voice mechanism.

LVVT is not simply the practice of phonating into a tube dipped in a certain amount of water. LVVT is a multidimensional-multilevel treatment strategy and an integrative approach for a given voice patient. Three levels of LVVT survey are distinguished through practice: clinician’s action plan, exercise patterns and the patient’s motor learning state.

LVVT has a dynamic algorithm; there are no exercise templates which fits for all. The clinician has an action plan and predefined exercises to choose for an individual patient. Exercise is not the goal, it is the tool; the whole process is programmed according to the patient’s motor learning state.

Endoskopietechniken und -befunde (Susanne Fleischer)

Wie funktioniert die Kehlkopfspiegelung? Wie hält man ein Endoskop? Mit welchen Techniken kann man die Stimmlippen besonders gut sehen? Wie interpretiert man einen video-laryngoskopischen Befund? Die Antworten zu diesen Fragen gibt es im Workshop zur Endoskopie. Dort werden zunächst verschiedene Endoskopie-Systeme vorgestellt und Untersuchungstechniken zur Darstellung des Kehlkopfes mit der traditionellen „Spiegeltechnik“, mit starren Lupen sowie mit verschiedenen flexiblen Endoskopen erläutert. Zur Veranschaulichung werden typische Kehlkopfbefunde demonstriert. In dem anschließenden praktischen Teil haben die Teilnehmer die Gelegenheit, mit den verschiedenen Endoskopen zu experimentieren (keine live-Endoskopie).

Touch of sound – Linklater-Stimmarbeit zum Kennenlernen (Morena Bartel, Christine Kugler)

Vielen ist der Name Linklater in den letzten Jahren begegnet.

Seit 2002 arbeiten die ersten deutschen autorisierten Linklater-LehrerInnen mit der von Prof. Kristin Linklater entwickelten Methode im deutschsprachigen Raum. Heute sind es rund 50 aktive Lehrer/innen - und sie arbeiten nicht nur an Schauspielschulen (www.linklater.eu).

Was ist das besondere an Linklater, wodurch unterscheidet sich die Methode von anderen und wer profitiert besonders davon?

Linklater will die Stimme befreien, entwickeln und stärken. Sie wurde von der Schauspielerin Kristin Linklater für Studenten im Schauspielstudium entwickelt. Deshalb legt sie besonderen Wert auf Ausdrucksvielfalt in allen Facetten.

Es gibt keinen Anspruch an die Ästhetik des Klangs, wohl aber an dessen Freiheit und Glaubwürdigkeit. Das Klangerlebnis wird dem Klangergebnis vorgezogen. Ziel ist eine Stimme, die im direkten Kontakt mit den Gefühlsimpulsen steht; vom Intellekt geformt, aber nicht behindert. Und die ein integrierter Bestandteil des Körpers ist. Es erfordert Neugier sich auf diese Methode einzulassen.

Linklater ist klar körperorientiert – neben innerer Bewegung ist auch die äußere zentral von Bedeutung. Ein bestimmtes Maß an Beweglichkeit wird vorausgesetzt.

Ein Konzept von aufeinander aufbauenden Übungen, wie sie im Buch „Freeing the natural voice“ von Kristin Linklater beschrieben werden, führt durch sämtliche Bereiche der Methode.

Wir wollen die Arbeit vorstellen, durch einige der Übungen führen und über die Linklater-Methode sprechen. Und wir wollen die Freude, die uns diese Arbeit bereitet, gern teilen und mit unserem „Touch of sound“ berühren.

Direct diagnosis and treatment of muscle tension dysphonia applying principles of osteopathic medicine (Jacob Lieberman)

The use of osteopathic medicine in Diagnosis and treatment of voice problems. Muscle tension dysphonia MTD is a very common diagnosis when singers complain of a wide range of voice problems. Most common, vocal fatigue, loss of voice quality, loss of range, and other associated symptoms. In this workshop: the mechanisms that are operating in the larynx and breathing apparatus will be discussed. Participants will be able to explore their own laryngeal functions following a specific protocol (The Lieberman protocol for diagnosis of laryngeal function). The aim of the workshop is the introduce the up to date understanding of the function of the larynx in normal use and why things might go wrong.

Phonochirurgie: Von Thyreoplastik bis Transgender (Markus Hess)

Die Phonochirurgie beinhaltet alle Operationen am Kehlkopf, die primär zur Stimmverbesserung durchgeführt werden. Als funktionelle OP Technik eingesetzt bedarf jede phonochirurgische Operation einer umsichtigen und klugen Entscheidung, inwiefern Veränderungen an den Stimmlippen und am Kehlkopf tatsächlich die Stimmfunktion verbessern. Der Chirurg muss daher mit seinem multidisziplinären Team vor (!) der Operation ausloten, welche Stimmenfunktionen eingeschränkt sind und inwiefern Patienten nicht doch von konservativen, funktionsverbessernden Maßnahmen profitieren. Wenn aber eine Operation nicht zu umgehen ist, dann müssen Instrumente im Miniaturformat eingesetzt werden. Neben den feinen mikrochirurgischen OP-Instrumenten und -techniken werden daher auch neueste Verfahren mit „smarten“ Lasern vorgestellt, die eine berührungsfreie Operation ermöglichen, ohne die Oberfläche der Stimmlippe zu zerstören. Diese und viele andere Aspekte werden während des Vortrages anhand von vielen Videos vorgestellt.

AAP – Atem, Stimme, Artikulation ganzheitlich und technisch brillant (Uwe Schürmann)

Für die Qualität von Stimme und Artikulation ist die Qualität der Atmung eine wesentliche Bedingung. Es geht um ein feines Zusammenspiel: Die elastischen Kräfte von Kehlkopf und Artikulationsorganen einerseits mit dem gezügelten Ausatemstrom und der verkürzten Einatmung andererseits. Die AAP bietet dafür auf der Grundlage der Forschungsergebnisse von Horst Coblenzer und Franz Muhar in den 60er Jahren ein nach wie vor überzeugendes Funktionsverständnis und daraus folgend einfache und leicht im Alltag umsetzbare Verhaltensleitlinien. Insbesondere bilden die Definitionen von „Inspiratorische Gegenspannung“ (Stütze) und „Abspannen“ (Phonatorischer Einatemreflex) in ihrer Klarheit und Einfachheit eine hervorragende, wissenschaftlich gestützte Grundlage für die Atemarbeit im Zusammenspiel mit Stimme und Artikulation. Dieser Arbeitsansatz besticht darüber hinaus durch die wechselseitige Verknüpfung technischer und intentionaler Faktoren. Daher eignet sich eine Orientierung an der AAP sowohl in der stimmtherapeutischen wie auch in der stimm- und sprechpädagogischen Vermittlung von den Grundfunktionen an bis hin zu hochdifferenzierten Ausdrucksfacetten in Sprechkunst und Gesang.

Allerdings hat sich im Laufe der Zeit beim Einsatz der überlieferten Übungen und im Funktionsverständnis eine Praxis eingebürgert, die die Leichtigkeit und den erfolgreichen Transfer erschwert. Hierzu zählen besonders:

  • zu ungenaue Umsetzung der für das Abspannen nötigen Rahmenbedingungen und Stimuli
  • zu starke Fokussierung auf die Bauchdecke bei der Verdeutlichung und Erarbeitung des Abspannens
  • zu ungenauer Einsatz schrittmachender Gesten und anderer Hilfsmaterialien

In diesem Kurs wird das Funktionsverständnis anhand von Übungsbeispielen und Videoaufzeichnungen erlebbar. Einfache Einstiegs- und differenzierte Hochleistungsübungen runden das Gesamtbild ab. Fragen und praktische Beispiele der Teilnehmer sind herzlich willkommen.

Das Zwerchfell beim Singen (Johan Sundberg)

Sänger müssen schnell und präzise den Atemdruck verändern können, da dieser Druck beim Singen entsprechend der Tonhöhe angepasst werden muss. Das Zwerchfell ist ein Hauptmuskel für die Einatmung. Dieser Muskel kann beim Singen für die Verringerung des Atemdrucks verwendet werden. Manche Sänger singen außerdem mit tiefgestelltem Zwerchfell, was man an der expandierten Bauchwand sehen kann. Andere singen mit hochgestelltem Zwerchfell, also mit eingezogener Bauchwand. In diesem Workshop wird das Atmungsmuster mit Hilfe von Respitrace veranschaulicht. Die Teilnehmer können damit Brustkorb- und Bauchwandexpansion sowie Lungenvolumen in Echtzeit beobachten.

Stimmkraft durch Körperanschluss – Konzept Schlaffhorst-Andersen (Sonja Wolfram)

Das Konzept Schlaffhorst-Andersen beinhaltet viele effektive Methoden, die den physiologischen Umgang mit der Singstimme schulen. Eine Möglichkeit ist die Arbeit mit Vorstellungsbildern, wie beispielsweise dem „Tonleiterkreis“. Dieser basiert auf der Vorstellung, die Töne im Körper, zum Beispiel auf Zwerchfellebene, zu visualisieren. Dadurch wird die Spannung der Atem- und Kehlkopfmuskulatur reguliert und der Stimmklang im Körper verankert. Die Teilnehmer erleben, wie durch die Arbeit mit dem „Tonleiterkreis“ die Singstimme an Körperanschluss und Stimmkraft gewinnt.

Die gesungene Sprache – über die Sprachgebung im klassischen Gesang (Jale Papila, Franck-Thomas Link)

Eine gute Artikulation im klassischen Gesang zu erreichen, stellt für viele Sängerinnen und Sänger eine große Herausforderung dar: gilt es doch auf der einen Seite, die Konsonanten präzise zu „sprechen“ und dabei auf der anderen Seite den Vokalfluss nicht zu stören. Ein Fall für die Sprecherziehung? Nicht nur! Die gesungene Sprache soll neben ihrer Verständlichkeit den unterschiedlichen musikalischen Gestaltungsmitteln, wie z.B. Melodieführung, Rhythmus, Tempo, Dynamik, Tondauer und Klangfarbe, gerecht werden. Ein ausgewogenes Zusammenspiel dieser musikalischen Parameter mit der Artikulation erhöht den künstlerischen Ausdruck – ein vertonter Text kann dadurch eine andere Dimension erfahren. Dies stellt einen wichtigen Teil der sängerischen Ausbildung dar.

Wie groß die Anforderungen an die Textbehandlung für klassische Sänger sind und wie vielfältig die Sprache im klassischen Gesang eingesetzt wird, erfahren die TeilnehmerInnen dieses Kurses in Live- und CD-Hörbeispielen.

In praktischen Übungen werden Anregungen zur Verbesserung der Textverständlichkeit beim Singen vermittelt.

Mikrophonsprechen – Betonung und Ausdruck in Hörfunk und Fernsehen (Simone Dorenburg)

Nicht die Stimme, sondern die Sprechweise steht in diesem Workshop im Vordergrund. Die besondere und nicht zuletzt künstliche Kommunikationssituation im Radio und im Fernsehen verlangt einem Sprecher bzw. einem Autor von Beiträgen viel ab. Wie kann ich einen ausformulierten Text in einem Studio ohne sichtbaren Gesprächspartner so vortragen, dass er lebendig, präsent und natürlich klingt? Welche innere Haltung und welche Techniken und Regeln verhelfen mir zu einer sinnvollen Betonung und einem angemessenen Ausdruck? In diesem Kurs stellt Simone Dorenburg, schöpfend aus der eigenen Sprechertätigkeit für Dokomentarfilme, ihre Arbeit mit Mediensprechern, Autoren für Hörfunk und Fernsehen und mit Tagesschausprechern vor. Dabei wird sie exemplarisch mit einigen Kursteilnehmern am Sprechen von Medientexten arbeiten und auf Fragen der Zuhörerschaft eingehen.

Samstag, 08.04.2017

Top-Sänger und Medikamente (Josef Schlömicher-Thier)

Der/die BerufssängerIn unterliegt denselben Gefahren eine Erkrankung zu erleiden, wie die übrige Bevölkerung, er/sie ist aber darauf angewiesen, den Körper jederzeit für die Bühnenarbeit fit und gesund zu erhalten. Daher muss der/die SängerIn ständig auf äußere und innere Faktoren achten, die die Gesundheit beeinträchtigen können. Er/sie ist einerseits auf schnell wirksame Medikamente angewiesen, und muss anderseits auf etwaige Nebenwirkungen achten. Für den behandelnden Arzt ist dies ein schmaler Weg zwischen Heilwirkung und schädigenden Nebenwirkungen.

In der alltäglichen Sängermedizin kann man folgende Medikamente nennen:

  • Husten- und Schleimlösung
  • Gegen Allergie und Asthma
  • Antientzündliche Substanzen
  • Asthma-Inhalativa
  • Antibiotika
  • Gegen Angst-und Depression
  • Hormone und systemisches Cortison
  • Reflux-Medikamente

Es ist notwendig, beim erkrankten Sänger so schnell als möglich eine belastbare Stimmlippen-Schleimhaut mit symmetrischem und elastischem Schwingungsmuster herzustellen, damit er/sie sich mit Energie in das akustische Ensemble auf der Bühne einbringen kann – zuweilen mit Gipsbein im Rollstuhl sitzend.

Bei diesem Vortrag wird anhand von Falldarstellungen aufgezeigt, welche Medikamente in welcher Abstimmung notwendig sind, damit dieses Ziel erreicht werden kann.

Theaterlogopädie – Stimme & Co. außerhalb des logopädischen Praxisalltags (Birte Heckmann)

Resonanz, Sprechtempo und Artikulation, Partnerbezug und Stimmhygiene sind selbstverständliche Bestandteile einer logopädischen Stimmtherapie – aber was braucht es noch, um sich sprecherzieherisch an die Klientel der Schauspieler „heranzuwagen“? Was verbirgt sich hinter „Sprechtechnik“ und „Ausdrucksschulung“, wie kann ich mit Klienten an verschiedenen „Chargen“ arbeiten und wie verändert sich das Sprechen vor großem Publikum? Wie entwickle ich mit Schauspielern die Stimme zu einem Instrument, das feinste und unterschiedlichste Gefühle hörbar macht? Welche Kompetenzen bringe ich mit, um als Logopädin beispielsweise an einer Schauspielschule zu unterrichten?

Dieser Kurs möchte Anregungen geben, in welchen Bereichen Logopäden mit sprecherzieherischem Interesse sich außerhalb der „normalen“ Stimmtherapie noch etablieren können. Es werden Ideen vermittelt, wie altbekannte Themen aus dem Einzel-Stimmtraining für den Gruppenunterricht – besonders mit Schauspielschülern, aber auch beispielsweise in Lehrertrainings oder der Ausbildung von Logopäden – modifizierbar sind. Einige Übungen werden mit dem gesamten Plenum gleich aktiv umgesetzt.

Emotion & Stress: Gegenspieler der Stimmtherapie? (Eva Loschky)

Emotionen und Stress sind „Körperlandschaftsveränderer“. Sie beeinflussen Haltung, Atmung und Stimme. Für alle, die mit der Stimme arbeiten, macht es tiefen Sinn zu wissen, wie genau Emotionen und Stress das Körpergeschehen lenken und wie man über die Stimme den körperlichen Weg heraus aus diesen Verstrickungen findet. Dabei spielt das Zusammenspiel der Muskulatur der „inner unit“, des „inner core“, der Bauchkapsel, die entscheidende Rolle. Wie die Erkenntnisse der Loschky-Methode® für die Arbeit mit der Stimme genutzt werden können – das beinhaltet dieser Impulsvortrag.

Atmung und Stimme (Johan Sundberg)

Im Rahmen des Vortrags wird Professor Sundberg physikalische und physiologische Zusammenhänge von Atmung und Stimmgebung aufzeigen und diese mit anschaulichen Beispielen aus seiner jahrzehntelangen Forschung auf diesem Gebiet verbinden.

Uncontrolled anxiety and breathing techniques (Jacob Lieberman)

Anxiety is a general term to describe pre performance nervousness, pre exam nervousness, or any situation where a person feels fear. Anxiety, like any other affect leads to a physiological reaction. Everyone is likely to have experienced the sensation of “butterflies” in the stomach, a lump in the throat, running to the toilet, neck tension and similar sensations arising from the reactions to unpleasant sensations like fear. We will discuss one form of reaction to fear namely breathing dysfunction. This is a most troublesome reaction in particular for singers, as the larynx is regarded to be a wind instrument. The symptoms are holding the breath leading to increased residual air in the lungs, shallow breathing that interferes with power leading to laryngeal muscle tension, or very fast low amplitude breathing cycles, which results in other bodily sensations associated with other symptoms. The lecture would discuss the physiology of breathing, the imperfections of breathing by design and why, for singers, resulting in all the symptoms that are associated with MTD, Muscle Tension Dysphonia.

Vocal extremes – highest, lowest, longest, loudest (Kim Chandler)

An interactive presentation where the audience are introduced to the highest & lowest voices in both male and female ranges (with audio examples provided), video footage of the current World Record holders for the longest note and the loudest note. The physiology involved in each extreme is outlined and audience members are encouraged to participate in finding out the extremes within in the group.

Technische Ausstattung für logopädische Praxen und Sänger (Frank Müller)

„Ich klinge fremd auf der Stimmaufnahme – woran liegt das?“ – Dieser bekannte Effekt hat etwas mit der Schallausbreitung durch Knochen und Luft zu tun. Doch welchen Einfluss haben das verwendete Mikrofon, der Rekorder, der Lautsprecher oder Kopfhörer? Wieviel Geld muss ich in die Hand nehmen, um eine klanggetreue Aufnahme zu erreichen? Der Vortrag verrät Tipps und Tricks und stellt klar: Für Einsteiger ist die Einhaltung weniger Regeln wichtiger als teures Equipment.

Chronischer Husten – Was tun bei unstillbarem trockenen Husten? (Markus Hess)

In diesem Vortrag wird besonderes Gewicht auf den trockenen Reizhusten gelegt: Was sind die Ursachen, welche Diagnostik muss man durchführen lassen und wie kann man sich gut auf den Arztbesuch vorbereiten? Welche Therapien gibt es? Kann man sich mit Hausmitteln ohne ärztliches Rezept helfen – und wie lange? Was sind Anzeichen für eine ernsthafte Erkrankung, die in Hinsicht auf weitere Abklärung keinen Aufschub duldet? Anhand von Checklisten und Videos wird den Zuhörern anschaulich demonstriert, wie der chronische Husten aus ärztlicher Sicht diagnostiziert und behandelt wird.

Estill Voice Training – wer, wie, was? (Eleanor Forbes)

Der Kurs bietet einen Einblick in das Stimmbildungsmodell der amerikanischen Sängerin, Gesangspädagogin und Stimmforscherin Jo Estill. Gesangsschüler interessieren sich heute für verschiedene Arten von Musik – von Klassik, Musical, Jazz, Gospel, Soul, Rock, R & B bis zu Pop – und brauchen daher Kenntnisse der Stimmfunktionen, um mit den unterschiedlichsten stimmtechnischen Anforderungen der modernen Gesangsstile umgehen zu können. Der Gesangspädagoge braucht ein in alle Richtungen offenes Ohr und ein spielerisches, kreatives Übungsrepertoire, um die Schüler auf dieser Entdeckungsreise begleiten zu können. Estill Voice Training ermöglicht eine gesunde Stimmführung und eine klangliche Vielfalt, die der jeweiligen Stilistik entspricht. Dieser Einführungsworkshop besteht aus einem interaktiven Vortrag mit Gruppenübungen und Hörbeispielen.

Magie und Technik des Jodelns – Vom prälingualen Klang-Archetypus bis zum Andachtsjodler (Martin Fuchsberger, Josef Schlömicher-Thier)

Was ist Jodeln?

Zitat 1 von Erich Moritz von Hornbostel, österreichischer Musikethnologe

Glaube an die magische Macht des Tones

„… ist eine Nachahmung des Alphorns mit spezifischer Singmanier, ohne Textworte, nur sinnlose Silben. Verwendet die ganze Naturtonreihe. Soll „sennisch“ langsam gesungen werden (Alphorn-Imitation). Der Tonumfang wird mit natürlichen Tönen in der Tiefe in der Bruststimmlage, die höheren Tone müssen ins Falsett umschlagen. Dieser Registerkontrast erzeugte eine ungeheure Faszination auf unsere Vorfahren. Eine Bannwirkung, das Jodeln als Stimm-Maske wie die Gesichtsmaske der Schauspieler im antiken Griechenland.“

Zitat 2 von Manfred Bukofzer, Musikologe und Historiker der frühen Musik:

„Übergangsritus für den ungestörten Auf- und Untergang der Sonne. Böse Geister sollen verscheucht werden. Stärkste magische Wirkung durch Wiederholung des gleichen Tones.“

Zitat 3 von Walter Graf, Musikologe:

„Ist eine prälinguale Vokalisation, die wahrscheinlich vor 10.000 Jahre entwickelt wurde, als die ersten Haustiere domestiziert wurden. Der frühe Homo Sapiens entwickelte instinktiv einen Kopfstimmklang und fand Gefallen am Registerwechsel, der in der Savanne über weite Strecken gehört werden konnte. Aus diesem Umstand hat sich wohl das primitive Singen entwickelt. Später wurde der Jodelklang ein wichtiges Kommunikationsmittel zwischen den Hirten im Gebirge und als erstes “Urhandy” und ein Morsegerät von Menschen im Hochgebirge verwendet. Es ist auch eine Kommunikationstechnik, die über große Distanzen benutzt wird von Pygmäen im Dschungel, in Ruanda, Zaire, Burundi, Gabon, Papua New Guinea und als Herdenlockruf in Schweden oder Joiken der Samen.“

Die Teilnehmer dieses Kurses bekommen eine Übersicht in den wissenschaftlichen Hintergrund und werden anhand von praktischen Jodelanleitungen in die Magie und Technik des Jodelns eingeführt.

Praxis der funktionalen Stimmtherapie in der Gruppe (Wiltrud Föcking, Marco Parrino)

Nach dem Motto „Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile“ sammeln die Teilnehmer des Kurses Erfahrungen mit der eigenen Stimme in der Gruppe. Durch einfache rhythmisch-musikalische Übungen wird die Stimme spielerisch gelockt und mobilisiert, die Vielfalt im Ausdruck entdeckt und weiterentwickelt.

Wie klingt meine Stimme? Was kann ich von den anderen Stimmen lernen? Welche Rolle nehme ich in der Gruppe ein? Kann eine Balance entstehen zwischen Durchsetzen, Integrieren und Unterordnen?

Die eigene Stimme kann von den anderen profitieren und Teil des Gruppenklangs werden, der durch Kraft und Obertonreichtum den gesamten Raum füllt.

Die Erkenntnisse der Funktionalen Stimmtherapie werden für den Einsatz in der Gruppe nutzbar gemacht.

Sonntag, 09.04.2017

Das menschliche Instrument Gesang – Übungen für Dynamik und Flexibilität (John Lehman)

Durch die Untersuchung der Antriebskraft, des Vibrationskörpers, des Resonanzkörpers und der Spielweise anderer Musikinstrumente entdeckt man Ähnlichkeiten mit der menschlichen Stimme, die bei der Entwicklung gesunder Gesangstechnik hilfreich sein können.

Die Entwicklung der Stimmästhetik im Musical – besondere Anforderungen an heutige Musicaldarsteller (Perrin Manzer Allen)

Das „Musical“ hat eine lange und mannigfaltige Geschichte: Erste Einflüsse von Operette und Folk verschmelzen mit Elementen aus Jazz und ethnischer Musik und kreieren den „American Song“ mit seiner typischen Liedform (32 Takte, AABA) – welche nach wie vor die meist verwendete Liedstruktur der Unterhaltungsmusik ist. Manchmal führend, manchmal den kulturellen Trends und Moden folgend, ist das Musicalgenre eine sich ständig weiter entwickelnde Kunstform und fordert Flexibilität und Anpassungsfähigkeit seiner Darsteller/innen. Im Laufe der Zeit hat das Musical neue Stimmfarben und -techniken hervorgebracht, welche wiederum zu verschiedenen vokalen „System-Techniken“ geführt haben, um den Bedürfnissen von Musicalsänger/innen gerecht zu werden.

Das Musicalgenre, ursprünglich eine englischsprachige Kunstgattung, gewinnt zunehmend seit Mitte der 80er Jahre an weltweiter Popularität. Als Bühnengenre, das sich weitestgehend nach dem Aufkommen der Tonaufnahme entwickelt hat, ergibt sich bezüglich seiner Stimmästhetik ein wesentlicher Unterschied zur Klassischen oder Volksmusik.

In meinem Vortrag beschreibe ich den Weg dieser Entwicklung, mit besonderem Fokus auf die Bedürfnisse moderner Musicaldarsteller/innen, und darauf, inwiefern Stimmbildung am besten diesen Anforderungen entsprechen kann. Zusätzlich gehe ich mit Hilfe von Audio Beispielen darauf ein, in welcher Weise „Live Performance“ und „Recorded Performance“ Einfluss auf die Gesangstechnik im Musical und in der kommerziellen Musikindustrie genommen haben.

Emotion & Stress: Gegenspieler der Stimmtherapie? – Einführung in die Praxis (Eva Loschky)

Eva Loschky lässt Sie auf Grundlage aktuellster neurophysiologischer Erkenntnisse erleben, wie Stress und Emotionen Ihren Körperzustand und Ihre Stimme grundlegend verändern. Erst, wenn Sie sich bewusst sind, wie Drucksituationen Ihre Körper-, Atem- und Stimmmuster beeinflussen, können Sie Stress und Emotionen meistern und den Weg zu einer gesunden kraftvollen Stimme zuverlässig finden.

Lernen Sie in diesem praktischen Kurs die Muskulatur des “inner core” als zuverlässig funktionierenden Schlüssel für eine gesunde kraftvolle Stimme kennen und nutzen. Erfahren Sie darüber hinaus, wie Sie – und Ihre Klienten – mit diesem Schlüssel gleichzeitig Stress und Emotionen meistern können.

Wie beeinflussen Raum und Aufnahmetechnik Künstler und Aufnahme? (Malte Kob)

Idealerweise sollte eine Stimmaufnahme ein akustisches Abbild der Performance einer Sängerin oder eines Sängers bzw. – im klinischen Kontext – eine Dokumentation der stimmlichen Disposition einer Patientin oder eines Patienten sein. Ähnlich einem Photo oder einer Videoaufnahme wird das Stimmsignal mit einer technischen Einrichtung aufgezeichnet und später auf verschiedene Weise wiedergegeben. Während Einflüsse der Umgebung und Technik auf die Qualität einer Bild- oder Videoaufnahme sowie die Verfassung von Künstlern meist auch Laien offensichtlich sind (z.B. Nervosität oder grobkörnige Details) ist das Erkennen von Einflüssen auf die Erzeugung und Aufnahme eines Stimmsignals auch für Ton-Experten oftmals nicht einfach. Dieser Vortrag stellt die Geschichte und Eigenarten möglicher akustischer und tontechnischer Einflussfaktoren auf die künstlerische Performance und die Aufzeichnungsqualität vor und diskutiert Möglichkeiten zur Optimierung von Stimmaufnahmen für verschiedene Einsatzzwecke.

Die emotionale Färbung im Singen von Liedern (Johan Sundberg)

Wie gehen Sänger vor, um ihren Liedgesang mit wechselnden emotionalen Stimmungen zu färben? In diesem Vortrag wird Johan Sundberg anhand wissenschaftlicher Untersuchungen zeigen, dass dafür sowohl Stimmlippenfunktion als auch Artikulation eine bedeutende Rolle spielen.

Gemeinsam gehört – Gespräche über Hörerfahrungen mit Stimmen und Instrumenten (Philipp Cavert, Cord Garben, Jale Papila)

Über die Bewertung künstlerischer Leistungen

Wie oft schaltet man das Radio an und hört ein Werk, ohne den Interpreten zu kennen: Man ist begeistert oder aber – ein anderes Mal – enttäuscht über die Qualität. Wenn am Schluss die Künstler genannt werden, war es im ersten Fall ein unbekannter, im zweiten ein Star. Es gilt daher der Satz: Wir hören ein Werk, kennen wir den Interpreten, nicht mehr objektiv, sondern werten es dem Ruhme äquivalent. Wir wollen gemeinsam hören und – zunächst ohne die Interpreten zu kennen – über die Auffassung und das Handwerkliche sprechen. Ein schwieriger Punkt dabei ist der Geschmack. Hier gilt es, die Grenze zu finden zwischen persönlicher Sicht und objektiven Regeln.